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Bericht über das gemeinsame Sorgerecht |
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Beobachter 23 / 2001 |
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Sorgerecht: Ein Scheiden, das den Kindern weniger
wehtut
Das neue Scheidungsgesetz macht's möglich: Die Eltern können sich um die Kinder gemeinsam kümmern, statt dass sie um sie streiten. Für den Nachwuchs ist das der beste Weg, um über die Scheidung der Eltern hinwegzukommen. «Mit dem gemeinsamen Sorgerecht läuft es wirklich sehr gut», sagt Elisabeth Pohl. «Die Kinder sagen allerdings auch jetzt noch hin und wieder, sie möchten, dass wir wieder zusammenkommen.» Elisabeth Pohl und Harry Nussbaumer sind eines der wenigen Paare, die trotz Scheidung weiterhin das gemeinsame Sorgerecht für ihre beiden Kinder haben. Am 1. Januar 2000 trat das neue Scheidungsrecht in Kraft. Kurz danach liess sich das Ehepaar scheiden. Schon seit ihrer Trennung Anfang 1998 teilen sie sich die Betreuung ihrer beiden Kinder Nina, 10, und Noemi, 8, etwa zur Hälfte. Elisabeth Pohl, von Beruf Floristin, hat die Kinder von Montagmittag bis Donnerstagmorgen. Personalfachmann Harry Nussbaumer betreut sie bis Samstagabend. An den Wochenenden wechseln sich die Eltern ab. Beide kommen für die Unterhaltskosten der Kinder auf während der Zeit, in der sie sie betreuen. Größere und außerordentliche Ausgaben teilen beide Eltern hälftig. Für das gemeinsame Sorgerecht war eine Vereinbarung nötig. Dabei half ihnen eine Mediationsstelle.Kein Kampf um die Kinder Die meisten Kinder lieben ihre Eltern gleichermassen. Sie wünschen, dass Vater und Mutter immer beisammenbleiben – oder wieder zusammenfinden. Dass es den Kindern dauerhaft gut geht, hängt entscheidend davon ab, dass sie ständig Kontakt zu beiden Eltern haben. Wenn sich Mutter und Vater auch nach der Scheidung die Betreuung teilen, kommt bei den Kindern am wenigsten das Gefühl auf, einen Elternteil zu verlieren. Nina und Noemi Nussbaumer haben heute sogar mehr von ihrem Vater als zur Zeit, als die Eltern noch miteinander verheiratet waren. Harry Nussbaumer sagt klar: «Ich habe schon das Gefühl, dass ich für die Kinder wichtig bin. Ich denke, ich bin genauso wichtig wie die Mutter.» Nicht selten wird der Kampf um das Sorgerecht zu einem Kampf um die Kinder. Wer das alleinige Sorgerecht erhält, geht als Sieger aus der Scheidung hervor. Dem unterlegenen Elternteil bleibt lediglich ein meist minimales Besuchsrecht – und die Pflicht zu finanziellen Leistungen. Folge: Der Verlierer verschwindet aus dem Leben des siegreichen Ehepartners. Er verschwindet aber auch aus dem Leben der Kinder. Elisabeth Pohl: «Kinder, die den Vater nur ein Wochenende im Monat sehen, entfremden sich von ihm.» Einigen sich die Eltern auf die gemeinsame elterliche Sorge, so verzichten sie auf den Kampf um das Kind. Sie verpflichten sich, zusammenzuarbeiten und miteinander zu reden. Keine leichte Aufgabe. «Wenn man zwischen dem Elternsein und der Paarbeziehung nicht trennen kann und über die Kinder unverarbeitete Konflikte austragen will, funktioniert das Modell nicht», ist Harry Nussbaumer überzeugt. Elisabeth Pohl: «Man darf nicht über die Kinder dem andern eins auswischen. Am Anfang muss man sehr aufpassen – etwa dass man die Kinder nicht über den andern Elternteil ausfragt.» Was braucht es sonst noch, damit das gemeinsame Sorgerecht klappt? Die Betreuung durch beide Eltern sollte einigermaßen ausgeglichen sein. Beide müssen den Alltag der Kinder kennen. Und die Eltern sollten idealerweise am gleichen Ort wohnen – oder nicht allzu weit voneinander entfernt. Die Lösung hat ihren Preis Nina und Noemi denken bereits, dass es schön wäre, wenn ihre Eltern wieder zusammenkämen. Das Problem wäre dann allerdings, in welcher Wohnung. Für die beiden Mädchen ist aber klar: Wenn die Eltern schon nicht mehr zusammen sind, «dann ist das jetzt die beste Lösung». |