Immer mehr Scheidungen

Tages-Anzeiger Online vom 25.12.2005

 

Fast 18’000 Ehen sind 2004 in der Schweiz geschieden worden, 6,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Wahrscheinlichkeit hat sich seit 1970 verdreifacht. Auch bei langdauernden Ehen ist das Scheidungs-Risiko gewachsen.

Seit 1999, als die Scheidungen wegen der bevorstehenden Revision des Scheidungsrechts einen Rekord von 21’000 erreichten, sind nie mehr so viel Ehen geschieden worden wie 2004, hält das Bundesamt für Statistik in einer Untersuchung fest. 17’949 Ehen wurden in jenem Jahr geschieden.
1970 hatten 15 Prozent der Ehen mit Scheidung geendet, 2004 waren es 44 Prozent. Durchschnittlich wuchs die Zahl der Scheidungen in den neunziger Jahren um 3,2 Prozent pro Jahr, 2004 lag die Zuwachsrate bei 6,8 Prozent. In diesem Jahr kamen auf 100 Heiraten statistisch 45,5 Scheidungen.
Obschon sich die meisten Geschiedenen wieder verheiraten, wächst die Zahl der Geschiedenen. Sie zählten Ende 2004 459 000 Personen oder 6,2 Prozent der Bevölkerung. 1970 lag dieser Anteil bei 1,9 Prozent.
Auch langedauernde Ehen geschieden

Über die Hälfte der geschiedenen Ehen hatte 2004 weniger als zehn Jahre gehalten. Die meisten Scheidungen (knapp 7 Prozent) erfolgten im sechsten Ehejahr.
Aber auch langdauernde Ehen werden häufiger geschieden: Der Anteil der Scheidungen von Ehen, die länger als 30 Jahre dauerten, hat sich seit 1970 von 3 auf 6,3 Prozent aller Scheidungen erhöht.
2004 dauerte eine geschiedene Ehe im Schnitt 13,8 Jahre. Zwischen 1950 und 1970 lag dieser Schnitt bei 11,5 Jahren.
Auch sind die geschiedenen Personen im Schnitt älter geworden. Der Anteil der über 40-jährigen unter den geschiedenen Männern lag 2004 bei 63 Prozent; seit 1990 ist dieser Anteil um fast 14 Prozent gewachsen.

Mehr Scheidungskinder

46 Prozent der geschiedenen Paare hatten bei der Scheidung mindestens ein minderjähriges Kind. Dieser Anteil ist über die Jahre ziemlich stabil geblieben. Aber die Zahl der Scheidungskinder hat sich seit 1970 verdoppelt: Damals wurden 6985 unmündige Kinder aus geschiedenen Ehen gezählt, 2004 waren es 13’690.
Bei knapp 64 Prozent aller Scheidungen hatten beide Partner einen Schweizer Pass. Knapp 24 Prozent der Scheidungen betraf schweizerisch-ausländische, 12 Prozent ausländische Paare.
Die höchsten Scheidungszifferen pro Bezirk wiesen 2004 Neuenburg und Lausanne mit 4,4 respektive 4 Scheidungen auf 1000 Einwohner auf, die tiefsten (0,6 pro 1000 Einwohner) das Goms VS und das Entlebuch LU.
Zürich lag bei 3,1, Basel Stadt bei 2,9 und Bern bei 2,8 pro 1000, der gesamtschweizerische Schnitt bei 2,4. Allerdings ändern die Bezirkszahlen pro Jahr sehr stark.


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